Natur

Allee im Kaliningrader Gebiet, dem ehemaligen Ostpreußen

Allee im Kaliningrader Gebiet, dem ehemaligen Ostpreußen

Die einsamen Landschaften im alten Ostpreußen sind legendär und locken jeden Naturliebhaber aus der Reserve. Weite Wiesen und Felder, eine sanfte Hügellandschaft, Wälder und viele unberührte Flecken bieten der heimischen Flora und Fauna vielfältigen Lebensraum. Für Naturliebhaber besonders sehenswerte Landschaften sind die Rominter Heide, die Elchniederung und die Kurische Nehrung.

Die Rominter Heide umfasst ein Gebiet im südöstlichen Teil der Exklave, an der Grenze zu Polen. Etwa zwei Drittel der Fläche befindet sich auf russischem Territorium, ein Drittel auf polnischem. Auf Russisch heißt die Rominter Heide Krasnij Les, was soviel bedeutet wie „Roter Wald“.

Das Gebiet ist geprägt durch einsame Wald- und Heideflächen und wird vom Fluss Rominte (auf Russisch: Krasnaja) durchflossen. Früher wurde es als Jagdgebiet der Preußen und der Nationalsozialisten (namentlich: Hermann Göring) genutzt, die es auf das heimische Rotwild, aber auch auf Bären abgesehen hatten. Berühmt ist die Rominter Heide auch für die hier wachsenden Steinpilze.

Die Elchniederung (auf Russisch: Losinaja Dolina) befindet sich im Grenzgebiet von Russland und Litauen. Sie grenzt im Westen an das Kurische Haff und ist geprägt von Mooren, Flüssen, Wäldern, Wiesen und Sümpfen. Damit ist die Elchniederung ein Paradies für viele Vogelarten. Sie beherbergt zudem zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten wie etwa den Sonnentau oder verschiedene Orchideen. Schon immer war die unwegsame Gegend nur sehr dünn besiedelt, die Menschen mussten sich die Moorlandschaft mit ausgeklügelten Entwässerungssystemen erst urbar machen. In der Sowjetzeit sind das Wissen um die Entwässerung und die eigentlichen Entwässerungssysteme verloren gegangen. Das Gebiet verwilderte weitestgehend. Heute sind in der Elchniederung, neben vielen anderen interessanten Tier- und Pflanzenarten, auch wieder Elche anzutreffen.

Naturbegeisterte Urlauber und Aktive finden auch auf der Kurischen Nehrung und in dem dortigen Nationalpark Kurschskaja Kossa eine reizvolle Kulisse vor. Die tiefen Kiefernwälder, eine wunderschöne Ostsee-Küste und die fast geheimnisvoll wirkende Dünenlandschaft bilden ein schönes Territorium für Naturentdeckungen.

Nadelbäume sind dominant auf der Kurischen Nehrung, darunter vor allem Kiefern, aber auch Fichten und Lärchen. Laubbäume werden besonders von Ahorn, Eichen oder Pappeln vertreten. Viele hoffen, einen Elch vor die Linse zu bekommen. Von diesen leben mittlerweile wieder einige auf der Nehrung. Aber auch Wildschweine und Biber können den Weg kreuzen.

Vor allem bei ornithologisch interessierten Besuchern steht die Kurische Nehrung im Fokus: Neben dem Nemunasdelta (Memeldelta) in Litauen gehört sie zu den wichtigsten Stationen des Vogelzugs. In der Herbstsaison ziehen tagtäglich Hunderttausende Vögel über die Nehrung, viele Arten leben und brüten aber auch hier. Finken, Meisen, Sperber, Bussarde, Fischadler, Weihen, Austernfischer, Enten, Schwäne und viele andere Vogelarten können je nach Saison gesichtet werden.

In Rybatschi (Rossitten) befindet sich eine alte Vogelwarte, die bereits 1901 von dem Theologen und Ornithologen Johannes Thienemann gegründet wurde. Von da an wurde der Vogelzug auf der Nehrung beobachtet. Südlich von Rybatschi liegt die Feld-Station Fringilla. Hier werden die Vögel gefangen, um sie zu zählen und zu beringen.

Zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert wurden Teile der Nehrung abgeholzt, was zur Folge hatte, dass sich die Sandmassen, die vorher durch die Vegetation „befestigt“ waren, in Bewegung setzten und ganze Ortschaften unter sich begruben. Einige Orte mussten sogar mehrfach umgesiedelt werden. Das Problem konnte im 19. Jahrhundert durch eine gezielte Bepflanzung weitestgehend eindämmt werden. Auch heute ist es noch wichtig, dass die Sandmassen nicht losgetreten werden und Besucher sich entsprechend verhalten – noch immer kommt es zu Sandverwehungen.