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Kaliningrad

Königsberger Dom im Kalininigrader Gebiet

Königsberger Dom in Kalininigrad

Kaliningrad, das alte Königsberg und Hauptstadt des heutigen Oblast Kaliningrad, hat etwa 430.000 Einwohner und wurde 1255 unter dem Namen Königsberg gegründet. Einige Jahre später erhielt Königsberg Stadtrecht.

Im Laufe der Geschichte spielte es in mehrerlei Hinsicht eine zentrale Rolle: als Sitz des Deutschen Ordens, als Handelsstadt sowie als Hauptstadt der deutschen Provinz Ostpreußen und des heutigen Verwaltungsbezirks Kaliningrad. Kaliningrad verzaubert nicht gerade mit kunstvoller Architektur und schönem Stadtbild, hat dafür aber einiges an Geschichte zu bieten. Das alte Königsberg ist nur noch zu erahnen. Der Königsberger Dom und einzelne Stadttore zeugen noch von ostpreußischer Geschichte und lockern hier und da die monotone, sowjetische Plattenbau-Architektur auf.

Der Zweite Weltkrieg bedeutete für Königsberg das Ende – in jeglicher Hinsicht. Flächenbombardements zerstörten fast das gesamte Stadtbild, die Bevölkerung starb unter den Kriegseinflüssen oder floh, Königsberg fiel an die UdSSR und wurde 1946 in Kaliningrad umbenannt. Eine gezielte Ansiedlung russischer Bevölkerung und die Deportation bzw. Vertreibung der Ursprungs-Bevölkerung sollte die Russifizierung des Gebietes vorantreiben.

Auch architektonisch sollte die Geschichte Königsberg ausgelöscht werden. Bauwerke wurden ihrem Schicksal des Verfalls überlassen oder gar bewusst zerstört. Eines der bekanntesten Beispiele ist das Königsberger Schloss, dessen Reste Ende der 1960er-Jahre unter Leonid Breschnew gesprengt wurden. Auf dem Platz des Burggrabens wurde später das Rätehaus erbaut – ein grauer Koloss, der aufgrund statischer Probleme nie genutzt wurde. Noch heute steht es windschief auf dem Zentralplatz – man mag es als Mahnmal begreifen. Selbst Menschen ohne ostpreußische Familiengeschichte werden bei der Geschichte und dem tristen Anblick schwermütig.

Aber nun zu den erfreulicheren Details: Der alte Königsberger Dom aus dem 14. Jahrhundert wurde in der Zwischenzeit restauriert. Das sakrale Gebäude auf der Kneiphof-Insel, eingekeilt zwischen den beiden Pregelarmen, litt unter dem Bombardement des Zweiten Weltkrieges und jahrelanger Vernachlässigung, war nur noch als Ruine erhalten. Heute hat er wieder eine zentrale Stellung, beherbergt das Stadtmuseum, das Dommuseum und eine Bibliothek. Die neue Orgel erklingt auch zu klassischen Konzerten, denen man als Besucher beiwohnen kann. An der Nordwand des Doms ist der Philosoph Immanuel Kant beigesetzt. Seine Grabstätte wird traditionell gerne von Hochzeitspaaren besucht. Dem Grab ist es der Legende nach zu verdanken, dass die Sowjets den Dom nicht abgerissen haben, sondern das Bauwerk duldeten.

Trotz aller Zerstörung, Vernachlässigung und bewusst herbeigeführtem Verfall gibt es also auch einiges „Alte“ zu sehen im heutigen Kaliningrad. Neben dem mittlerweile restaurierten Dom sind die alten Stadttore aus dem 19. Jahrhundert eine Besichtigung wert. Das Königstor, das Rossgärter Tor, das Friedrichsburger Tor und das Friedländer Tor sind vier von ihnen, alle haben jeweils ein anderes Erscheinungsbild. Das Brandenburger Tor dient noch heute als solches, Autos und Straßenbahnen fahren hindurch.

Das alte Königsberg teilte sich auf in drei Städte: Altstadt, Kneiphof und Löbenicht. Während die vom Pregel umflossene Kneiphof-Insel neben dem Dom früher eng bebaut war, erscheint sie heute weitläufig und der Dom thront über allem. Die dichte Bebauung wurde im Bombardement von 1944 zerstört, der Dom überstand dies schwer beschädigt. Ein Modell der ursprünglichen Bebauung des Kneiphofs ist im Kunst- und Geschichtsmuseum von Kaliningrad zu sehen. Auch die eng bebaute Stadt Löbenicht, die vor allem von Handwerk und Brauereien geprägt war, wurde durch das Flächenbombardement weitestgehend zerstört.

Die heutige Immanuel-Kant-Universität ging aus der Albertina (oder auch Albertus-Universität) hervor, an welcher der deutsche Philosoph Kant viele Jahre gelehrt hatte. Ursprünglich befand sich das Universitätsgebäude auf dem Kneiphof, wurde aus Platzmangel aber von dort verlegt. Das heutige Universitäts-Gebäude entstand an dem Ort, wo die kriegszerstörte Albertina stand.

Der Lasch-Bunker vermittelt Geschichte rund um die letzten Tage Königsbergs. Der Bunker wurde im Mai 2013 nach einer umfassenden Renovierung neu eröffnet und kann nun wieder von Besuchern besichtigt werden. Otto Lasch war der letzte Kommandant der Stadt. Im April 1945, nach der dreitägigen Schlacht um Königsberg, kapitulierte er vor den Sowjets.

Die Museums-Angebot Kaliningrads reizt ebenso: Neben dem Immanuel-Kant-Museum, dem Dommuseum und dem Museum für Kunst und Geschichte lockt auch das Bernsteinmuseum. Es entführt mit einer Vielzahl an Exponaten in die schimmernde Welt des fossilen Harzes.